Kooperation zur Zukunft von Biogasanlagen

Kooperationsvertrag mit dem italienischen Anlagenbauer “Ecospray”

Am 15.07.2021 unterzeichnete die RUHE Unternehmensgruppe mit dem italienischen Anlagenbauer “Ecospray” den Vertrag für die Zukunft der Biogasanlagen. Herr Tzimurtas von der Oldenburgischen Volkszeitung hat die letzten Schritte des Tages begleitet und ausführlich berichtet.

Quelle: OM Medien Oldenburgische Volkszeitung, Text und Foto von Giorgio Tzimurtas

Freude über die Partnerschaft: (von links, vorne) Kunibert Ruhe (Geschäftsführer Ruhe Agrar) und Stefano Di Santo, Chef von Ecospray, nach dem Vertragsabschluss in Lüsche mit den weiteren Firmenvertretern (von links, hinten) Thomas Rolfes (Geschäftsführer Ruhe Agrar), Justus Ruhe (Ruhe Biogas Service), Max Ruhe (Geschäftsführer Ruhe Biogas Service), Giorgio Copelli (Ecospray) und Alberto Fanchini (Ecospray).

Um 17.33 Uhr waren im Besprechungsraum die letzten Details geklärt. „Deal“, hieß es in der siebenköpfigen Runde. Es folgten die Handschläge und die Unterschriften auf den Verträgen. Die „Ruhe Unternehmensgruppe“ startete am Mittwoch in Lüsche mit dem italienischen Anlagenbauer „Ecospray“ eine Kooperation, die als Pionierprojekt auf dem Biogasmarkt gilt. Es geht um die Nachrüstung landwirtschaftlicher Biogasanlagen mit einem Spezialmodul, um damit einen Bio-Zusatz für den LKW-Kraftstoff LNG (Liquified Natural Gas) zu erzeugen. Das Biogas wird dabei veredelt und verflüssigt. Das so produzierte Bio-LNG wird dem aus konventionellem Erdgas gewonnenen LNG beigefügt, das deutlich emissionsärmer als Diesel ist. Das beigemengte Bio-LNG kann eine weitere Absenkung des Ausstoßes von CO2 um bis zu 80 Prozent bewirken, wie in Fachartikeln zu lesen ist. Gleich zwei Besonderheiten hebt Unternehmenschef Kunibert Ruhe deshalb hervor. „Wir haben eine Lösung gefunden, damit eine typische landwirtschaftliche Biogasanlage nach Auslaufen der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz weiter wirtschaftlich betrieben werden kann. Wir bieten dem Landwirt eine Lösung für die Zukunft“. Außerdem gehe es um einen Beitrag, um die weitreichenden klimapolitischen Ziele der Bundesregierung und der EU zu erreichen – die Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis 2030. „Das ist ein ganz wichtiger Schritt für uns“, stellt Ruhe die Bedeutung der Partnerschaft mit Ecospray heraus. Und der Chef (CEO) des italienischen Anlagenbauers, Stefano Di Santo, bezeichnet den Start des Vorhabens ebenfalls als „einen sehr wichti- gen Moment“ für sein Unternehmen, das in der Gemeinde Alzano Scrivia seinen Sitz hat, etwa 50 Kilometer südlich von Mailand. Der deutsche Markt sei für das Produkt der wichtigste in Europa. Mit Ruhe Agrar in Lüsche habe Ecospray hier den stärksten Partner, sagt Di Santo.

Unterzeichnet wurden zwei Verträge mit dem Anlagenbauer Ecospray, wie Max Ruhe erklärt. Er ist Geschäftsführer der „Ruhe Biogas Service GmbH“ (einer Tochter der Ruhe Unternehmensgruppe), die in Deutschland exklusiv den Vertrieb der Technologie von Ecospray zur Herstellung von Bio-LNG aus Biogas übernimmt – in Zusammenarbeit mit der italienischen Firma. Dabei biete die Ruhe Biogas Service GmbH Landwirten, die auf die Produktion von BioLNG umrüsten wollen, ein „Rundumpaket“ an, sagt Max Ruhe. Also den Service vom Anschluss des Standardmoduls in Containerform an die Biogasanlage bis zur Belieferung von Tankstellen mit dem Bio-LNG. Darüber hinaus hat die Ruhe Agrar mit Ecospray den Kaufvertrag für die deutschlandweit erste Anlage zur Herstellung von Bio-LNG abgeschlossen. Das Pilotprojekt wird in Darchau (Landkreis Lüneburg) an einer bestehenden Biogasanlage der Ruhe Agrar, deren Leistung zudem gesteigert wird, realisiert. Voraussichtlich im Sommer 2022 soll es dort mit der Erzeugung von Bio-LNG losgehen. Das Land Niedersachsen fördert das Vorhaben mit 55 Prozent. Unternehmenschef Kunibert Ruhe beziffert die Gesamtkosten auf etwa 3,5 Millionen Euro. Wenn es eine Standardisierung gebe, werde der Bau weiterer Anlagen für Kunden unter dieser Summe liegen. Die Anlage in Darchau soll auch als Anschauungsobjekt für mögliche Kunden dienen. Der Ecospray-Chef Di Santo verweist im Gespräch mit der Redaktion auf die wichtige Bedeutung des konkreten und greifbaren Beispiels für die Zielgruppe – die Landwirte. Geplant ist in Darchau auch eine Betriebstankstelle. Dafür sollen die landwirtschaftlichen Lkw von Ruhe Agrar schrittweise auf den Antrieb mit LNG umgestellt werden. Die eigene Tankstelle auf dem Hof und die Einsparung von CO2 – das kann auch für Landwirte eine Option sein, die sich zur Herstellung von Bio-LNG entscheiden. Darauf macht Thomas Rolfes, Geschäftsführer von Ruhe Agrar, aufmerksam. Ecospray hat seine erste Anlage zur Herstellung von Bio-LNG im italienischen Novi Ligure Ende Dezember 2020 in Betrieb genommen. Dort wird mit Deponiegas eine Tonne LNG am Tag produziert. Kunibert Ruhe war mit einem Team vor Ort, auch Planer und Sachverständige der Dekra seien dabei gewesen. Dieser Anlagentyp von Ecospray soll der Standard für die Produktion von Bio-LNG in Deutschland werden. Man begebe sich nun mit der Technologie in einen sehr anspruchsvollen Markt, sagt Di Santo. Es sei der „Beginn einer Reise“. Da es mit den Vertretern der Ruhe Agrar auch menschlich passe, ist er vom Erfolg überzeugt. Bei der Partnerschaft ist diese Grundsituation wichtig: Die Förderung von Biogasanlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) läuft nach 20 Jahren aus. Unter Landwirten geht deshalb die Sorge um, wie sie ihre Biogasanlagen weiter wirtschaftlich betreiben können. Kunibert Ruhe sagt: Angesichts der Diskussion um die CO2-Reduzierung sei man in seinem Unternehmen auf die Idee gekommen, Biogas für die Produktion von Bio-LNG zu nutzen. Etwa zwei Jahre lang habe die Suche nach einer Anlagentechnik dafür gedauert. Eine der Schwierigkeiten: Es ging um die Herstellung vergleichsweise kleiner Mengen. In Darchau sollen es 2,3 Tonnen pro Tag sein. Zum Vergleich: Große Anlagen, die LNG aus konventionellem Erdgas herstellen, produzieren 1000 Tonnen pro Stunde. Nun also ist mit der Technologie von Ecospray die passende Lösung für die Umrüstung landwirtschaftlicher Biogasanlagen gefunden worden, um Bio-LNG herzustellen. Das sei eine wirtschaftliche Form des Weiterbetriebs nach Auslaufen der EEGFörderung, weil sie helfe, CO2 deutlich einzusparen – und somit auch Geld für die Betreiber von Lkw-Flotten. Denn die müssen Quoten zur Minderung von Treibhausgas-Emissionen einhalten. Je besser das gelingt, desto günstiger ist es. Die Quotenpreise liegen bei 200 bis 400 Euro pro Tonne CO₂. Umweltschonende Bio-Kraftstoffe sind deshalb in der Transportbranche sehr begehrt, weil sie die Quote und somit die Kosten absenken. Das sei der zentrale Punkt, warum die Biogasanlagen mit der Produktion von Bio-LNG auch nach der EEG-Förderung lukrativ sein können, sagt Ruhe. Und da die Einsparungen bei den Emissionsquoten von den Rohstoffen abhängt, aus dem das Biomethan und dann das Bio-LNG entsteht, sei es für Landwirte am wirtschaftlichsten, „wenn sie 100 Prozent Gülle in die Biogasanlage fahren“, erklärt Ruhe. Als Regel gilt: Je weniger nachwachsende Rohstoffe (etwa Mais) verwendet werden, desto höher ist der Abnahme-Preis für das Bio-LNG.

Über RUHE Biogas

Die RUHE Unternehmensgruppe ist ein landwirtschaftlich geprägtes Familienunternehmen, welches von dem Hauptsitz im niedersächsischen Lüsche landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verwaltet und Biogasanlagen betreibt, vier davon mit einer elektrischen Leistung von 2,74 Megawatt.
Mit 20+ Jahren Betriebserfahrung, modernen Arbeitsmethoden und einem motivierten Team ist RUHE Biogas Ihr Partner für die Wartung, Optimierung und Zukunft von Biogasanlagen mit Verflüssigungskonzepten.

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